Licancabur, wir kommen! [guest post by Melina]

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Blick auf den Licancabur hinter der smaragdgrünen Laguna Verde

Es klopft sacht an unsere Tür. Unser verschlafenes Gemurmel scheint nicht zu überzeugen, es klopft lauter. Es ist 2 Uhr nachts. Angesichts der Tatsache, dass wir gerade einmal  5 Stunden vorher schlafen gegangen sind frage ich mich, wer zur Hölle die Idee hatte auf diesen bescheuerten Vulkan zu klettern und wer zur Hölle beschlossen hat, dass das um 3 Uhr nachts passieren soll. Im ersten Fall gibt es 4 Verdächtige: Lea, Adrian, Ivan und mich! Zweiteres haben unsere beiden Guides Alvaro und Luis uns nahe gelegt….

Also gut, raus aus den Federn – im warsten Sinne des Wortes! Bei -10 Grad Aussentemperatur macht sich mein Daunenschlafsack im unbeheizten Hotel echt bezahlt. Unsere Köchin ist ein Schatz: Pfannkuchen mit Caramelcreme (Dulce de Leche) gehen selbst um 2.30 Uhr runter. Wasser und Obst stehen auch für alle bereit, ausserdem ein spezieller Kräutertee und Koka-Blätter gegen die Höhenkrankheit.

Das Objekt unserer Begierde, der Licancabur, misst stolze 5.920 Meter (in der Höhe, versteht sich). Ergänzt wird unsere Reisegruppe dann noch von zwei netten Schweizern, die aus Mangel an anderen Guides (die sie dann eh nicht gebraucht hätten) bei uns aufgenommen werden. Los geht`s!!! Ich finde es ganz schön kalt, habe ja keine Ahnung was uns noch erwartet…. Im Auto laufen die grössten Hits der 90er: Britney Spears, The Backstreet Boys und Blink 182 sorgen für gute Laune, Vorfreude und Aufregung liegen in der Luft. Nach kurzer Fahrt erreichen wir den Fuss des Vulkanes auf ca. 4.300m Höhe.

Ausser einem spektakulären Sternenhimmel ist noch nicht viel zu sehen, alles liegt im Dunkeln. Das macht aber nix, dann können wir wenigstens nicht daran verzweifeln wie weit es noch ist, sondern uns schön auf die nächsten Schritte konzentrieren. Wie ein leuchtender Wurm schrauben wir uns Stück fuer Stück den Berg hinauf – das muss lustig aussehen aus der Ferne. Anfangs verläuft der Weg noch recht angenehm, dann wird er steiler, die Serpentinen enger. Noch sind wir optimistisch den Gipfel in den vorgesehenen 6 Stunden zu erreichen. Dann spaltet sich unsere Gruppe. Ivan fühlt sich der Höhe und der körperlichen Anstrengung nicht gewachsen und beschliesst mit einem unserer Guides abzusteigen. Unser zweiter Guide stapft weiter mit kleinen Schritten voran, verlässlich wie ein Uhrwerk!

Je höher wir kommen und je näher der Sonnenaufgang rückt, desto kälter wird es. Leas Trinkwassersystem gefriert und ich kriege trotz dicker Handschuhe, die mir die nette Schweizerin geliehen hat, dermassen kalte und steife Finger, dass ich meine Wasserflasche weder auf- noch zudrehen kann. Das Naseputzen habe ich mittlerweile mangels Taschentücher und motorischer Fähigkeiten auch aufgegeben…. Einfach laufen lassen! Gefriert eh sofort alles zu Eis!

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Nach dem Sonnenaufgang ein erster spektakulärer Ausblick

Lea und ich trotten schnaufend hinter den anderen her. Adrian, der gestern noch Magen-Darm hatte tippelt scheinbar leichtfüssig bergauf. Wie zur Hölle macht der das?!? Die Schweizer haben sich mittlerweile vom Guide die Erlaubnis geholt alleine weiter zu laufen. Bei unserem “Tempo” und der Anzahl benötigter Pausen, frieren die zwei sich halb zu tode. Ich dachte mal ich wäre sportlich… Naja, auf dem Gipfel werden wir sie wiedertreffen. Mittlerweile stellen wir fest, dass zwischen den fast 5.000m auf denen wir schon mal waren und fast 6.000m, denen wir Schritt für Schritt näher rücken, doch beachtliche Unterschiede zu verzeichnen sind. Nein, der Licancabur wird es uns nicht leichter machen, als wir anfangs frohlockt hatten!

Die letzten 200 Hoehenmeter werden zu Qual: unser Pfad verwandelt sich in ein sehr steiles Geröllfeld mit riesigen Brocken, die wir nur noch mit Hilfe unserer Hände überwinden können. Ausserdem beschliessen unsere Körper trotz Kräutertee und gekauten Koka-Blättern in den Wangen, dass es jetzt auch mal reicht. Kopfschmerzen, Schwindel und Atemlosigkeit zwingen uns alle 10m anzuhalten und nach Luft zu schnappen. Die Sonne scheint zwar mittlerweile, aber gegen den eisigen Wind, der uns um die gefühlt halb erfrorenen Nasen weht, kommen ihre Strahlen leider nicht an. Die Kälte zwingt uns also leider immer wieder viel zu schnell, die nächsten 10m in Angriff zu nehmen…

Kurz darauf ist mein persönlicher Tiefpunkt erreicht. Mehr als erreicht! Warum auch immer beschliesst meine linke Hand wieder aufzutauen. Und das auf so unangenehme Weise, dass ich vor Schmerzen nur noch heulen könnte! Mit Erschöpfung hatte ich gerechnet, damit kann ich irgendwie umgehen. Aber die Schmerzen in der Hand rauben mir die letzten Nerven und jegliches fitzelchen Durchhaltevermögen, dass bis dahin noch vorhanden war. Ich überlege ernsthaft, ob das der Punkt ist, an dem ich mir eingestehen sollte, dass die Tour einfach zu krass für mich ist. Sollte ich absteigen und der Sache ein Ende bereiten?

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Melina – nicht mehr ganz so frisch

Massage und Anpusten sei Dank beruhigt sich die Hand irgendwann wieder. Der Guide ist so nett und tauscht seine vorgewaermten Handschuhe gegen meine Eisklötze, mein  genetisch veranlagter Dickkopf taut auch auf…. Und… eigentlich ist es auch gar nicht mehr sooo weit… Also: Auf geht’s! Allez! Und veeeeenga!

Lea stapft voran, ich versuche Schritt zu halten. Und wenigstens sieht unser Guide auch nicht mehr ganz frisch aus. Das beruhigt mich etwas. Die letzen 30m bis zum Gipfel schaffen wir dann sogar ohne Pause – zwar mehr torkelnd als laufend, aber egal! Oben angekommen sind dann alle Mühen kurz vergessen. Wir stehen auf dem Rand eines riesigen Kraters, in dessen Mitte uns ein grüner, halb zugefrorener See entgegenblinzelt. Der höchste See der Welt, angeblich.

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Der Krater (und irgendwo im Bild hat sich Lea versteckt)

Die Schweizer empfangen uns mit Applaus, alle liegen sich kurz in den Armen. Das beste an der Sache: der 360Grad-Rundum-Panoramablick auf die bolivianisch-chilenische Grenzregion. Dutzende von Vulkanen, manche weiss/orange/rot gefärbt, andere Schneebedeckt, erweisen uns die Ehre. Die blaue und die weisse Lagune glitzern in der Sonne. Wow! Wir haben es tatsächlich geschafft! (Zwar in 8, statt in 6 Stunden, aber wen interessiert das schon). Der Versuch uns ins Gipfelbuch einzutragen scheitert daran, dass es gefroren ist und sich nicht öffnen lässt. Naja, macht nix!

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Gruppenfoto auf dem Gipfel: die Schweizer, Adrian, Lea, unser Guide Luis und Melina

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Statt Gipfelkreuz ein Gipfgelaltar – der Licancabur war den Inkas heilig

Allzu lange hält die Euphorie nicht an, uns steht ja schliesslich noch der Abstieg bevor und auch der eisige Wind lädt wirklich nicht zum Verweilen ein. Schnell noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen und weiter geht`s, mal wieder… Statt den geplanten 2 Stunden brauchen wir 4. Unser armer Guide! Innerhalb dieser 4 Stunden verliere ich jegliche Angst vor rutschigem Untergrund und Sand-/Geroellfeldern. Wir surfen an der gefühlt steilsten Stelle den Berg hinunter! Einfach rutschen lassen und weiter laufen. Und Gleichgewicht halten. Und falls das nicht klappt, dann landet man halt auf dem Po und stoppt ein kurzes Stück später, also auch kein Problem! Lea wirkt nicht ganz so begeistert… sondern eher so, als ob sie gerade gegen ihren absoluten Tiefpunkt des Tages ankaempft…

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Lea hat nicht mehr ganz so viel Spass, denn jetzt sieht man wie steil es tatsächlich ist

Die Erleichterung, als dann irgendwann unser Jeep in Sichtweite gerät, lässt sich wohl kaum in Worte fassen. Jetzt ist es also wirklich ganz geschafft, alle heile, alle völlig erschöpft, auch Adrian. Licancabur, du bist besiegt!!!!!! Also bezwungen!

Meine Bilanz des Tages:

  1. Es gibt gute Gründe warum man normalerweise nicht in Höhen von 6.000m unterwegs ist… Alles ab 5.000 ist echt ungemütlich!
  2. Ich bin wohl eher das, was man einen “Genusswanderer” nennen wuerde
  3. Das Glücksgefühl einen so hohen Gipfel mit den eigenen 2 Beinen erklommen zu haben ist einfach unbeschreiblich!!!

 

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Trotz aller Anstrengung: der Ausblick war unglaublich!

 

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Cerro Kari Kari

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View from the peak, complete with lakes, Cerro Rico and the city in the background

Cerro Kari Kari is 4965 meters high and overlooks the fascinating city of Potosi, once the largest and richest city in the Americas because of its silver. Of course this richness only helped the Spanish while millions of indigenous people died in the mines. It is said that all the silver extracted from the mines could have built a bridge to Spain, but that another bridge could have been built from the bones of the slaves who died in the process of extracting it. If you would like to see how colonialism fucked up Latin-America Potosi is the place to go. To this day many people, including children, are working in the mines under horrible conditions earning hardly enough money to survive.

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Potosi with its many churches and colonial buildings

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Entrance to the mines of Cerro Rico

Despite Potosis dark history however, the city is surrounded by beautiful nature and untouched mountains. So after visiting the Casa de la Moneda Museum and learning about the cities history, Melina and I decided to climb our first real mountain. We had met in Samaipata where we instantly bonded over having the same (unreliable) trekking book and shared plans to discover the Bolivian mountains without a guide. So after meeting up again in Sucre and starting with an easy trek to the seven waterfalls nearby, we decided to take on Cerro Kari Kari.

On our way to the peak we passed countless lama flocks and went a little crazy chasing them for the ideal picture.

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Lama looking surprised at two german travellers 

We walked along several artificial lakes build by 20 000 slaves to provide water for the city and passed green valleys and small streams. Incredible views of the exploited Cerro Rico with its hundreds of mines accompanied us along the way.

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Laguna San Sebastian with Cerro Rico in the background

When the path ended we searched our own way up the steep mountain, stuffing our cheeks full of coca leaves to help with altitude and exhaustion. When we were almost at the top and taking a little break enjoying the incredible view, a single hiker appeared out of nowhere and passed us at an incredible speed. As we finally reached the top he had already continued to other, higher mountains although it was already afternoon and he only carried a tiny backpack. We never saw him again but really hope he made it back home safely!

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Yeah – I made it to 4965 meters

As to us, we slowly made our way to the city again, going down to yet another green valley and passing even more lamas, streams and lakes in the warm afternoon sun.

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Melina was crazy about the little river

Finally we watched the sun set behind the Cerro Rico before we walked the last 200 meters to take a bus back into the city full of history and run-down colonial buildings. Crazy how such beautiful nature can be found side by side to the evidence of horrible crimes and the exploitation of a whole continent.

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Sunset at the end of our hike

 

Bolivian Street Art

If you think about Bolivia, street art is probably not the first thing that comes to your mind. However, in my two months here I have come a cross some works I really liked and as they don’t really fit my other posts I have decided to give them their own space. Unfortunately I missed the “bike art tour” in Cochabamba, but if you ever come to this vibrant city full of colourful graffiti I really recommend discovering its art (be it on a bycicle or by foot).

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Mystic andenean symbols near the witches market  (La Paz)

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Coca leaves impact culture, art and everyday life (Cochabamba)

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Colourful mexican influences (Cochabamba)

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A space lama (Cochabamba)

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Don’t forget that the strengh of Bolivia are its women (Uyuni)

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Faded sticker art of a traditionally dressed bolivian woman (Potosi)

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Hooded person – a shoe cleaner? (La Paz)

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Monster and yet another Cholita (La Paz)

Samaipata the beautiful hippie trap

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Wild mountains near Samaipata

If I had to split my journey up to this point into chapters I would probably devide it into the time before and after Samaipata. Both chapters would be amazing and full or experiences, but Samaipata was somewhat of a turning point. Not only did I spend some of my best days in Bolivia here, I also formed amazing connections with people I would now call friends and slowly my way of travelling changed as well.

It all started with my workaway in Paredones, just 20 minutes from Samaipata, where I met Marie. I instantly liked her and once I left the ‘espiral de luz’ joined her in the Hostal Jardin. This now favourite hostel of mine reflects pretty well what makes people stay for much longer than initially planned in Samaipata. The dorms are little artsy eco-construction houses framing a huge green garden used for camping.

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The garden with fireplace and kitchen in the middle

Heart of the hostel is a central fireplace and big open kitchen. There you will always find travellers playing music, teaching each other handicrafts or cooking delicious meals. With children running around on the lawn, people chilling in hammocks and everyone sharing their food the place felt more like a shared home than a hostel from the first day. No wonder some travellers stay there for months. Or years. Or forever.

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Rare sight of the kitchen being empty

In fact, Samaipata is full of expats who mostly started as travellers and found their new home in the small village at the edge of Amboro National Park. So while Samaipata is definitely a Bolivian village with its typical market, many loud mototaxis and central chilled plaza it also offers almost any product one could possibly miss while travelling: wholegrain bread, good yogurt, natural cosmetics, organic honey… Many of these things are sold by people who lead a simple life somewhere in the surrounding mountains, living in self-built huts and happily inviting volunteers into their houses.

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Local women at the market sorting potatoes

Life is slow and relaxed and although most people (both travelling through and permanently living there) don’t have a lot of money, there is always something fun to do and certainly many great people to meet. Often my days would consist of little more than cooking or going to the river to swim, but still I was never bored.

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Chilling by the river – I wonder what Marie was talking about…

One day we felt especially adventurous and hitchhiked to some nearby waterfalls, but mostly my days were spent in the village and hostel walking around to buy food, chilling and talking to people.

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Hitchhiking into the afternoon sun on top of a big truck

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Bathing in the waterfalls

After a couple of days I got invited to a hut in the mountains with a few friends where we built a dry toilet in a day, learned to sing Manu Chao songs and cooked the most delicious empanadas from scratch. I met people travelling with literally no money, was inspired to try to live in a bus and really started cooking again – something I had not done much in the last month. I also almost entirely spoke Spanish as there were many latino travellers and learned a bit about the Maya calendar.

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Our compost toilet – you have to climb on top to do your business

It is difficult to sum up my experiences in Samaipata because what stuck with me most were the people I met. After a little more than two weeks it was weird to leave this wonderful hippie trap of a village behind. Luckily I left Samaipata to go to a Goa / Trance festival accompanied by a bunch of friends from the jardin, so I was a lot more excited than sad, but since then I had to say goodbye to many lovely people.

Still, a lot of Samaipata and its people are still with me in that they influenced me and my travel style. I am even slower, more relaxed and staying a lot at artesano* hostels, ditching tours almost entirely. I have also found Milena, my new travel companion who is just as excited as I am about hiking – so I am sure there are many great things to come and am thankful that I found this village. So if you ever go to Bolivia don’t miss out on this place, but beware! You might get stuck there, possibly forever…

* Artesanos are travellers who make their living by selling handmade goods (like macramé bracelets) or playing music / juggling in the streets. They are also incredible at finding the cheapest hostel in town with a kitchen.